Surfers Gold

Anfang des Jahres war Paul mit sieben Freunden in Frankreich unterwegs. Paul ist Teil der eingefleischten norddeutschen Surferszene und seine Surfkünste könnt ihr auf der Website seiner “Surfergang” Brettspiel bewundern!
Für instant-brains.com hat Paul seine Erinnerungen an den letzten Surftrip niedergeschrieben. Freut euch über die abgedrehte Surferklaue, schöne Bilder und Filmchen und auf euren nächsten Urlaub!

brettspielschriftzug mit taschenlampe und langer belichtung

Von Paul Helmich

Nach einer Automobilen Odyssey über eine Strecke von 1500 km, fanden wir uns am westlichsten Zipfel des französischen Festlands wieder. Die Karre wurde von einer unglaublichen Spannung erfüllt. Die Erwartung den 1500-km-langersehnten Blick auf das kühle Nass des Atlantiks werfen zu können, die pulsierende Kraft der Wellen endlich mit eigenen Augen zu erfassen, lies das innere des Autos auf die größe einer Nuss schrumpfen, die jeden Moment zu platzen drohte.
Wir sind nach Crozon gekommen um dem verlockenden Versprechen von guten, leeren Wellen nachzugehen, das uns in heimischen Gefilden zu Ohren gekommen war. Und der erste Eindruck sollte uns in keinster Weise entäuschen: Nach einer ersten morgendlichen Session in nahezu perfekten H20-Zylindern, lediglich beeinträchtigt durch 17-Stunden-Reise-Beine, entstiegen acht Grinse-Froschmänner den Fluten.

Crozon ist eine Halbinsel an der Bretonischen Küste. Sie liegt soweit im Westen, dass der Sonnenaufgang einen gefühlten halben Tag später stattfindet als im Rest Frankreichs und scheinbar einhergehend damit, auch das Leben sein eigenes Tempo an den Tag legt. Läden öffnen und schließen zumeist gefühlt willkürlich, der Rest der Welt scheint Ewigkeiten weit weg und damit irgendwie egal zu sein. Crozon weist in dieser und auch anderer Hinsicht eine bestechende Ähnlichkeit mit Teilen des stets verpönten Nachbarn auf. Die Küste ist Steil und felsig, das Wetter ist meist nass-kalt (zugegeben, wer über Neujahr kommt, ist in dieser Hinsicht natürlich selbst Schuld…) und die Hauptstraßen der kleinen Ortschaften werden von einer stattlichen Anzahl von Pubs gesäumt. Außerdem ist jedes Straßenschilder neben Französisch noch in einer Sprache mit einer Menge ch’s, ll’s und Kombinationen von aneinader gereihten Konsonanten beschriftet: Sind wir in Schottland?!

Unser Domizil für die nächsten zwölf Tage war ein typisch bretonisches Haus aus Naturstein, Fachwerk und bunten Fensterläden. Und wie wir unmittelbar nach unser Ankunft feststellen durften, waren wir nicht die einzigen Bewohner: Drei Mäuse verließen das Sofa mit fliegenden Fahnen, als wir das Wohnzimmer entsprechend unseren Vorstellungen neu arrangierten. Die nette französische Dame, die uns den Schlüssel überreichte, schien auch etwas überrascht stattliche Recken vorzufinden, da sie anscheinend bis zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen war, dass wir in Form einer großen Familie auftauchen würden. Diese Tatsache schien die gute Frau so in ihren Grundfesten erschüttert zu haben, dass sie jegliche Treffen mit uns auf die kürzest mögliche Zeit zu beschränken versuchte (dieser Absicht fiel sogar der gefürchtete Abnahme Rundgang am Ende unseres Aufenthalts zum Opfer).

bretonisches haus mit licht aus naturstein

Obwohl Crozon als ein relativ kleines Eiland am Rande des Atlantiks recht zutreffend zu beschreiben ist, stellte sich uns jeden Tag wieder eine koordinative und logistische Herrausforderung: Wie ist es zu bewerkstelligen, 20 Surbretter, acht wellenhungrige Kerle mit zwei Bussen zu ca. 15 verschiedenen Spots mit jeweilig anderer Ausrichtung und Qualität zu befördern?! Am besten in dem man jeden Tag per Kolonne ca. 80 km herumgurkt! Das klingt jetzt schlimmer als es war, denn dies ermöglichte es uns die Insel ausfürlich kennen zu lernen, eine Menge gesunder Orangen zu verspeisen, der Welt den Scheibenwischer-Dance zu schenken sowie, und das ist wohl der wichtigste Aspekt, die Spannung jeden Tag an die fast klaustrophobischen Zustände zu Zeiten unserer Ankunft anzunähern. Genau dieser Zustand machte den Trip eigentlich auch zu dem was er war: Jeden Morgen legten wir eine ungeahnte Motivation an den Tag obwohl wir dank modernster Vorhersage-Techniken aus den Weiten des Internets eigentlich schon wussten, dass die Bedingungen mal wieder nicht unseren kühnen Träumen entsprechen würden. Und wenn wir dann einmal nicht bodenlos enttäuscht wurden, war die Begeisterung elektrisierend.

Yec´hed mad ihr Landratten!